Suki

Ich liebe diese Welt und ich möchte sie zu einem besseren Ort machen. Und ich bin davon überzeugt, dass die Luana einen (vielleicht sogar sehr großen) Teil dazu beitragen kann.

Als ich Teil der Luana-Gründungsinitiative wurde, war es, als wäre ich zuhause angekommen. Ich las das Konzept mit großer Begeisterung und sah die vielen engagierten Menschen, für die Kinder genau wie für mich im Vordergrund stehen und die die Schüler und Schülerinnen mithilfe ihrer neuen Schule dabei begleiten und unterstützen wollen, mündige, glückliche und verantwortungsvolle Personen zu werden.

Ich erinnere mich noch genau an einen Moment aus meinem Studium, der mich sehr geprägt hat. Unser Didaktikdozent begann, uns die wichtigsten „Spielregeln“ für das Lehrerdasein zu verkünden. Er begann mit der scheinbar wichtigsten: Man müsse als Lehrer immer eine Maske tragen! Man sei ein Schauspieler, der sein Lehrergesicht aufgesetzt hat und nicht künstlich wirken soll, aber auch auf keinen Fall mit der Privatperson identisch sein darf. Ich bin noch nie gut darin gewesen, mich zu verstellen und verabscheue die Vorstellung, in irgendeinem Bereich meines Lebens, aber vor allem meinem Beruf, an dem doch mein Herz hängen sollte, nicht Ich sein zu dürfen.

In der Luana-Gründungsgruppe und auch in Filmen, Berichten und Videos zu ähnlichen Schulen habe ich festgestellt, dass genau das Gegenteil hier Programm ist. Jede Person darf und soll sein, wer sie ist. Alle werden angenommen, solange sie sich an die gemeinsam erarbeiteten Regeln halten. Mich hat dazu auch der Absatz im pädagogischen Konzept sehr beeindruckt, in dem es um Inklusion geht: „Es ist normal, verschieden zu sein! Ziel unserer inklusiven Schule ist es nicht, Unterschiede zu nivellieren, sondern zu lernen, mit ihnen synergetisch zu leben, ganz im Sinne einer ‚egalitären Differenz’“. Die Vorstellung, Verschiedenheit nicht nur zu akzeptieren, sondern vielmehr die Vielfalt sogar als etwas Wundervolles zu betrachten, das ist wahre „Inklusion“ und so möchte ich leben und arbeiten.

Ein anderer Aspekt der Luana, der eng damit verknüpft ist, ist dass ich mir nie vorstellen konnte, 40 Stunden in der Woche einem einzigen Beruf nachzugehen, weil ich den Eindruck hatte, in den meisten Berufen wird ein so kleiner Teil von mir angesprochen und der Rest wird ausgeblendet. Beispielsweise in der Sprachwissenschaft ist nur der Teil verlangt, der sich gut mit Germanistik auskennt, während so viele andere Dinge, die mich ausmachen, vollkommen belanglos sind und auf der Strecke bleiben oder auf das Wochenende geschoben werden müssen. Ich wünsche mir, dass ich mich in meinen Beruf als Person vollständig einbringen kann, mit allem, was ich bin, weiß, kann und liebe. Es gibt so viele Dinge, für die ich mich begeistere und für die ich mich interessiere und das sind neben aktiven Hobbys wie Sport und Kunst auch viele moralisch-ethische Aspekte, Philosophie, Spiritualität, Ernährung, Psychologie, Nachhaltigkeit, Tierrechte und so weiter. Und so geht es sicherlich auch vielen Kindern und Jugendlichen, die ja noch nicht einmal genau wissen, welche Aspekte sie an sich gerne weiterentwickeln oder welche Fähigkeiten ausbauen würden. In der Luana kann sich jede Person vollständig einbringen und ganzheitlich sie selbst sein, ohne bestimmte Aspekte ausklammern oder verstecken zu müssen. Sowohl Fähigkeiten und Wissen als auch Interessen, Charakterzüge und Eigenheiten können und sollen gelebt und ausgebaut werden. Sie sind nützlich, um voneinander zu lernen, um andere Perspektiven zu sehen, ein ganzheitliches Verständnis zu bekommen und um der Welt offener gegenüber zu stehen.

Ich habe gerne einen persönlichen Bezug zu den Menschen, denen ich etwas beibringe, weil ich der festen Überzeugung bin – und diese hat sich auch durch meine Erfahrung bewährt – dass am allerbesten gelernt werden kann, wenn man sich gegenseitig kennt, versteht und vertraut. Dann lernen sogar beide Seiten voneinander und es entsteht nicht nur eine einseitige „Wissensübermittlung“. Das Problem, das ich in normalen Schulen meist habe, ist, dass ich die Kinder nicht wie Leistungsmaschinen betrachten kann oder will. Ich bewundere Lehrkräfte, die Kinder wie Menschen und Individuen behandeln und trotzdem die Unmengen an Stoff „durchkriegen“, ohne auf dem Weg die Hälfte der Lernenden zu verlieren. Ich selbst habe das nie geschafft, da die Spannung zwischen den Massen an zu vermittelnden Inhalten und der benötigten individuellen Förderung der Lernenden für mich ein unlösbares Problem darstellt – vor allem, wenn sie noch Zeit für’s Kindsein und sich selbst haben sollen. Durch die Anforderungen der Schule müssen die Kinder sich von sich selbst entfremden. Sie müssen ganz bestimmte Inhalte mittels vorgegebener Methoden zu einer festgelegten Zeit lernen, wobei Selbstbestimmung sowie die eigenen Wünsche, Interessen und Fähigkeiten übergangen werden. Aufgrund des Drucks und der engen Zeitpläne bleibt nach Schule, Hausaufgaben und Lernen oftmals auch keine Zeit mehr, sich den eigenen, individuellen Hobbys zu widmen. Oder es ist schlichtweg keine Energie mehr übrig, um dem nachzugehen, was ihnen am Herzen liegt. Ich habe ein tiefes Verständnis dafür, dass die Kinder und Jugendlichen einfach überlastet sind. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, die aus den unterschiedlichsten Gründen unter dem Schulsystem leiden oder gelitten haben und deren unbändige Energien, Potenziale, Neugierde und Vielseitigkeit dadurch abgetötet wurden, um aus vollkommen unterschiedlichen Individuen vergleich- und bewertbare Leistungsmaschinen zu machen.

Ich habe beschlossen, dass ich etwas in dieser Welt verändern möchte. Dass ich die Welt besser machen will und dazu beitragen möchte, Leid zu mindern und Glück langfristig zu mehren. Und ich glaube, es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, als die zukünftigen Generationen in ein Umfeld zu geben, in dem sie lernen, verantwortungsvoll und empathisch in einer Gemeinschaft zu leben, andere und die Umgebung zu respektieren, wertzuschätzen und mitzugestalten, selbstbewusst auf ihre eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Denn wenn sie im selben Muster wie die jetzigen Generationen denken, wird sich auch nichts an der Situation der Welt verändern. Statt Leistungsorientierung sollten Liebe, Verantwortung, Reflexivität und Mut zur Tat im Vordergrund stehen, was aber nur dann funktionieren kann, wenn Kinder und Jugendliche herausfinden dürfen, wer sie sind und was sie mögen, können und wollen. Anstatt einen Haufen Kinder zu haben, die alle im Prinzip dasselbe können, vielleicht mit etwas unterschiedlicher Akzentuierung, die aber ihre darüber hinaus gehenden Potenziale nivelliert haben und gar nicht wissen, was sie nach ihrem Schulabschluss mit sich anfangen sollen, bemühen wir uns doch lieber darum, dass die Lernenden ihre eigenen Stärken ausbauen, Potenziale entfalten und ihren Charakter entwickeln können, damit sie daraus Mut, Kraft und Lebensfreude schöpfen, um später auch die schwierigsten Aufgaben zu bewältigen.

Das Schulsystem ist momentan mehr auf Kapitalismus ausgelegt als auf Nachhaltigkeit. Daher wünsche ich mir eine Schule, in der weiter gedacht wird, breiter gedacht wird, in der Gefühle eine entscheidende Rolle spielen, Gefühle von Lernenden, Gefühle von Lehrenden, Gefühle von Menschen im eigenen Land und in anderen Ländern, Gefühle von Tieren und von zukünftigen Generationen. Ich wünsche mir eine Schule, in der gemeinschaftliche Spiritualität statt getrennte Religiosität eine Rolle spielt, in der wieder Naturverbundenheit gelebt wird und in der die Verantwortung nicht nur eine theoretische Größe ist, die dann zum ersten Mal nach dem Schulabschluss in praktischer Form auf die Jugendlichen zukommt, sondern in der Verantwortungsbewusstsein und das Reflektieren von Gefühlen und Handlungen schon für die Kleinsten eine große Rolle spielt.

Ich liebe diese Welt und ich möchte sie zu einem besseren Ort machen. Und ich bin davon überzeugt, dass die Luana einen (vielleicht sogar sehr großen) Teil dazu beitragen kann. Angetrieben von unbändiger Motivation und meinem Herzenswunsch, die Welt ein Stück weit schöner zu machen, möchte ich als Teil der Luana und als individueller, ganzheitlicher Mensch dazu beitragen, den Kindern und Jugendlichen die Schulzeit zu ermöglichen, die sie dazu befähigt, glückliche, empathische, mündige, verantwortungsvolle und starke Menschen zu werden, die mit den vielfältigen Problemen der Welt umgehen können, die auf sie zukommen werden.