Unsere Idee

Von der revolutionären Idee, „Kinder wie Menschen zu behandeln“


Wir werden geboren und lernen zu essen und zu trinken. Später lernen wir zu krabbeln, zu laufen und zu sprechen. Dies alles und vieles mehr erlernen wir wie von selbst. Dann gehen wir in den Kindergarten. Wir sind immer noch von Kleinigkeiten begeistert, spielen den ganzen Tag und fragen uns und andere ständig „Warum?“. Wir wollen am liebsten alles verstehen! Jeden Morgen sind wir gegen 6 Uhr wach. Sofort sind wir auf den Beinen und wollen losziehen. Wir freuen uns auf die Schule. Es heißt, dort lernt man noch mehr! Da gehen die Großen hin! Also die Kinder, die besser Fußball spielen und schneller rennen können, die Witze viel lustiger erzählen können und spannendere Spielideen haben. Toll! Außerdem lernt man dort Lesen, Schreiben und Rechnen. Dann können wir selbstständig einkaufen gehen und unseren Freunden Briefe schreiben! Super! Auf in die Schule!
Doch nach wenigen Jahren haben wir keine Lust mehr auf Lernen. Unterricht, Hausaufgaben und Proben machen fast keinem mehr von uns Spaß. Wir müssen uns zwingen und wer das nicht schafft, den zwingen die Eltern und Lehrer dazu. Am Ende der 4. Klasse trennen wir uns von unseren Freunden. Die „schlauen“ Kinder gehen aufs Gymnasium, die „dummen“ Kinder auf die Hauptschule. Wir definieren uns jetzt sehr über unsere Noten. Noten sind mächtig. Haben wir gute Noten, sind wir erleichtert, fallen sie schlecht aus, fühlen wir uns auch schlecht. Die Noten bestimmen, ob unsere Eltern stolz oder verärgert sind. Wir freuen uns auf die Ferien. Endlich wieder spielen. Eigentlich wollen wir schon seit der 4. Klasse keine Noten mehr, aber wir wollen ja mal später einen guten Job haben und vielleicht an die Universität. Also spielen wir lieber nicht so viel und machen unsere Hausaufgaben.
Erst kommt die Arbeit, dann das Spiel!

Wir wissen, oder glauben zu wissen, dass es nicht anders geht. Aber wie schön wäre es, wenn wir morgens in die Schule gehen und mit unseren Freunden spielen! Gemeinsam könnten wir Lesen und Rechnen lernen, später würden wir uns dann kleine Briefe schreiben. Englisch lernen wir durch das Internet. Die meisten US-Filme sind im Original sowieso besser. Wenn wir online Computerspiele spielen, dann reden wir mit Spielern aus aller Welt auf Englisch. Außerdem wollen wir Frau Müller nicht in der Schule, die war immer so streng. Aber die anderen Lehrer dürfen schon kommen.Dann machen die einfach den Unterricht und wir kommen, wenn wir wollen und sonst nicht. Also zu Sport und Musik und Rechnen würde ich immer kommen! Das sind nämlich meine Lieblingsfächer! Außerdem wäre es doch super, wenn wir einmal in der Woche so eine Schulversammlung haben, wo dann alle Lehrer und Kinder zusammenkommen und besprechen, was wir an der Schule machen und so …

Das Team der Schulgründungsinitiative Luana Augsburg sind Lehrer, Eltern, Studierende, und vieles mehr. Wir sind 2017 aus dem eigenaktiv e.V.  hervorgegangen und haben seit dem nicht aufgehört zu träumen. Im Gegenteil, wir wollen unseren Traum einer Schule von Schülerinnen und Schülern Wirklichkeit werden lassen. Wir sind nicht die Ersten und werden nicht die Letzten sein.

Eine unvollständige Karte mit demokratischen Schulen weltweit: Democratic Schools

An dieser Stelle hört unsere Vision aber nicht auf. Eine Schule, die auf die „Welt da draußen“ vorbereiten will, braucht auch Kontakt nach draußen.
Eine Schule ist ein Ort zum Lernen, aber nicht der einzige. Warum den Physikunterricht nicht ins Kraftwerk verlegen (wie in der demokratischen Schule Hadera), Japanisch-Kurs bei der VHS, Praktika bei lokalen Unternehmen als Unterrichtszeit anerkennen?
Es gibt in Augsburg viele selbstorganisierte Orte, an denen viel gelernt werden kann, z.B. das OpenLab, die Bikekitchen, der Werkraum oder die Cityfarm.
Das sind alles Orte, an denen große und kleine Expert*innen praktisch lernen, basteln, wirken, Visionen entwickeln, Berufsfelder kennenlernen und leben.
Schule könnte so viel mehr …

Unsere Philosophie

Kinderrechte

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ (Art. 1, Allg. Menschenrechte). „Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied“ (Art. 2, Allg. Menschenrechte). Kindheit und Jugend gelten als unvollkommene Phasen der Entwicklung. In diesen haben Kinder und Jugendliche nur eingeschränkte Rechte. Wir sehen das anders. In demokratischen Schulen werden die Menschenrechte ohne Einschränkung für Kinder und Jugendliche wie für Erwachsene gleichermaßen umgesetzt. So haben hier alle das Recht, über ihre Zeit und ihr Tun selbstbestimmt zu entscheiden. Kurzum wollen wir Kindern und Jugendlichen eine glückliche Kindheit und Jugend ermöglichen. Nicht umsonst heißt die Schule „Luana“, was auf Hawaiianisch eben „glücklich“ und „zufrieden“ heißt.

Das fehlende Puzzlestück

Schulabgänger*innen demokratischer Schulen zeichnen sich in der Regel durch ein hohes moralisches Urteilsvermögen sowie ein tiefes Verständnis von ethischem Handeln aus. So sind Reflexionsfähigkeit, (Konflikt-)Lösungskompetenz, Teamfähigkeit, demokratisches Verständnis und die Fähigkeit, die Perspektive des Anderen einzunehmen nur wenige ausgewählte Kompetenzen, die in der Regel bei demokratischen Schüler*innen deutlicher zu beobachten sind als bei Schüler*innen anderer Schulen. Nicht selten engagieren sich Absolvent*innen demokratischer Schule nach (oder schon während) der Schule in sozialen, ökologischen oder friedensstiftenden Organisationen. Außerdem konnten sie viele Erfahrungen mit demokratischen Prozessen sammeln. Absolvent*innen demokratischer Schulen sind eine Bereicherung für die Demokratie. Wir sehen demokratische Schulen als ein wichtiges Puzzlestück in einer demokratisierten Gesellschaft an.

Unser Beitrag zum Bildungsdiskurs

Mit der Luana Schule wollen wir einen wichtigen Anstoß geben, wie Bildung anders gedacht werden kann. Setzen sich herkömmliche Schulen meist aus der Perspektive des Lehrens mit Bildung auseinander, schauen sich demokratische Schulen Bildung aus der Sicht des Lernens oder des*der sich Bildenden an. Lernen kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise funktionieren. Jede*r kann auf ganz verschiedenen Wegen Fähigkeiten erlernen oder sich Dinge einprägen. Die Lernmethode sollte von den Lernenden selbst gewählt werden. Denn wer weiß besser als die Lernenden selbst, wie sie am besten lernen! Schule kann verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, die Entscheidung über den Lernweg treffen an demokratischen Schulen jedoch die Schüler*innen eigenständig.

Noch wichtiger als die selbstbestimmte Entscheidung über den Lernweg sehen wir die eigene Entscheidung über die Lerninhalte an. Warum assoziieren wir Schaukeln oder Legospielen mit Zeitvertreib, während wir Vokabeln oder Formeln lernen als eine sinnvolle Beschäftigung verstehen? In einer sich ständig verändernden Welt machen strenge Vorgaben über Lerninhalte wenig Sinn. Die Entscheidung, was für sie wichtig und was unwichtig ist, müssen Kinder und Jugendliche selbst herausfinden. Schule kann Kinder und Jugendliche in diesem Prozess nur begleiten.

Wir hoffen, mit der Schule dazu beitragen zu können, dass sich die Vorstellung vom „richtigem“ Lernen öffnet und Erwachsene den verschiedenen Tätigkeiten der Kinder und Jugendlichen wertfrei gegenüberstehen können und sie in ihrem Prozess vertrauensvoll begleiten.

Wir wollen zeigen, dass Schule anders gedacht werden kann.

Menschenbild

Das Bild über die Natur des Menschen kann sich durch die Erfahrungen an demokratischen Schulen verändern. Schüler*innen demokratischer Schulen zeigen, welche enormen Leistungen ohne Druck, Belohnung oder Anleitung, sondern rein aus Eigenmotivation, Interesse und Neugierde entstehen können. Demokratische Schule machen klar, dass Menschen sich und anderen mehr zutrauen können. Der Mär vom faulen und egoistischen Menschen wird an demokratischen Schulen mit unzähligen Beispielen von intrinsisch motivierten Kindern und Jugendlichen entgegengestanden.

Des Weiteren vermitteln demokratische Schulen ein reifes Bild von Demokratie. Demokratie bedeutet nicht einfach den Sieg der Mehrheit über die Minderheit. Demokratie bedeutet mehr als eine Regierungsform. Sie spiegelt eine Haltung, eine Art des Zusammenlebens wider, die auf gegenseitigem Respekt, möglichst großer Hierarchiefreiheit und dem Gerechtwerden der Bedürfnisse aller fußt. Beispielsweise sind Mobbing oder andere Arten der Unterdrückung an demokratischen Schulen nicht existent. Demokratische Schulen dienen als gute Beispiele, in denen Gemeinschaft im Frieden aller gelebt wird.

Der Haken

Tragt ihr als Privatschule mit dem Schulgeld nicht dazu bei, Kinder wohlhabender Eltern zu bevorzugen? Ja, leider. Es ist uns bewusst, dass Schulgeld – entgegen unserem Grundgedanken der Inklusivität – immer exklusiv wirkt. Wir versuchen deshalb, durch unseren Ansatz des solidarisch-kompensatorischen Schulgelds diesen Effekt etwas zu mildern, dennoch besteht dieser immer noch. Nichtsdestotrotz sind wir der Meinung, dass die oben genannten (sowie viele weitere) Motivationen und Gründe eine demokratische Schule zu eröffnen, deutlich überwiegen. Unsere Vision ist, dass die Luana Schule dazu beiträgt, dass in Zukunft auch öffentliche Schulen sich der Idee demokratischer und selbstbestimmter Bildung widmen und Luana  als Privatschule irgendwann obsolet wird.